Digital Transformation Blog

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Public Services on Demand – Mit der Blockchain in die Zukunft der öffentlichen Verwaltung

Sei es die Heirat, die Geburt des Kindes oder ein neuer Job: manche ganz besonderen Ereignisse möchte man mit seinen Freunden auf Facebook teilen. Hierzu kann man auf der Timeline des sozialen Netzwerks Lebensereignisse erstellen und über die Privatsphäre-Einstellungen entscheiden, mit wem man diese teilen möchte. Nach einem ähnlichen Prinzip würde die GovBlockchain+, eine Blockchain der Lebenstransaktionen, funktionieren.

Die GovBlockchain+ ist die Zukunftsvision eines Blockchain-basierten Registers sämtlicher Lebenstransaktionen, das die Übertragung von Daten zwischen zwei Parteien ohne den Einbezug einer dritten Instanz ermöglicht. Anders als bei Facebook sind es nicht „Freunde“, mit denen man seine Lebensereignisse selektiv teilt, sondern beispielsweise der Arbeitgeber, die Versicherung oder der Staat.

Die GovBlockchain+ ermöglicht die Übertragung von Daten in einem Peer-to-Peer Ansatz. Die Hoheit über die Daten verbleibt in den Händen des Bürgers

In der Vision ist die GovBlockchain+ ein dezentrales Datenregister für sämtliche Lebenstransaktionen des Bürgers. Unter Lebenstransaktionen definieren wir all jene Ereignisse, die mithilfe von Dokumenten gegenüber Dritten nachgewiesen werden müssen. Dazu zählen u. a. die Geburt, der Schulabschluss oder die Heirat. Zu den dritten Parteien gehören beispielsweise das Einwohnermeldeamt, der Arbeitgeber oder die Steuerbehörde.


Abbildung 1: Beispielhafte Darstellung einer Blockchain der Lebenstransaktionen

In der GovBlockchain+ wären sämtliche Informationen dieser Dokumente als Nachweis der entsprechenden Lebenstransaktion verschlüsselt hinterlegt. So entsteht eine Blockchain der Lebenstransaktionen, die den gesamten Lebensweg dezentral abbildet und für Dritte selektiv abrufbar macht. Dabei bietet die GovBlockchain+ eine technische Alternative zu öffentlichen Prüfinstitutionen und Intermediären, die als vertrauenstiftende und absichernde Instanzen ein wesentliches Merkmal im derzeitigen System der Datenübertragung ausmachen.

Diese Intermediäre fallen mit der Einführung der GovBlockchain+ weg. Durch die dezentrale Speicherung und Verfügbarkeit der Daten können Transaktionen in einem Peer-to-Peer-Ansatz direkt zwischen zwei unbekannten Teilnehmern durchgeführt werden. Die GovBlockchain+ bietet vielfältige Anwendungsfelder in der öffentlichen Verwaltung. Bei Prozessen der Verifikation und Identifikation ist die Blockchain eine effiziente Lösung und kann darüber hinaus insbesondere für die Registerführung und im Zahlungsverkehr eingesetzt werden:

  • Verifikation: 
    Jedes Dokument wird mit einem Hashwert – einem eindeutigen Fingerabdruck – versehen. Der Hashwert ändert sich, sobald das Dokument verändert wird. Hinterlegt man diesen Hashwert in einer Blockchain, kann auch der Hashwert selbst nicht mehr verändert werden. Auf diese Art und Weise kann nachgewiesen werden, dass ein Dokument zu einer bestimmten Zeit bei einer bestimmten Person oder Organisation in einer bestimmten Fassung vorgelegen hat. Staatliche Beglaubigungen sind somit überflüssig.
  • Identifikation: 
    Nicht nur für Dokumente, auch für Identitätsattribute kann die Integrität über eine Blockchain geprüft werden. Hierbei werden Hashwerte über eine Reihe von Identitätsattributen (z.B.  Fingerabdruck, Augen- und Haarfarbe oder Schuhgröße) gebildet und in einer Blockchain abgelegt. Mithilfe dieser festgelegten Attribute lassen sich Personen auch ohne eID oder Personalausweis eindeutig identifizieren.
  • Registerführung: 
    In der GovBlockchain+ können alle Transaktionen, die bisher über einen Intermediär wie das Grundbuchamt, das Patentamt oder das Bundesamt für Justiz abgewickelt wurden, nachweisbar und transparent dokumentiert werden. Es braucht keine staatliche Stelle mehr, die diese Eigentumsverhältnisse rechtsverbindlich festhält.
  • Zahlungsverkehr: 
    Anträge zur Auszahlung staatlicher Leistungen (z. B. Kindergeld, Rente, Arbeitslosengeld) werden in der GovBlockchain+ gepostet und automatisiert ausgeführt. Dabei handelt es sich um eine Smart-Contract-Lösung, anhand der geprüft werden kann, ob die Voraussetzungen zur Erfüllung des Auszahlungsantrags vorliegen. Daraufhin wird die Auszahlung der Leistung ausgelöst (Wenn-Dann-Bedingung). Das manuelle Prüfen einer Auszahlung gehört somit der Vergangenheit an.

Die GovBlockchain+ bietet viele Vorteile für Verwaltung und Bürger

Die Vorteile der GovBlockchain+ zeigen sich sowohl auf staatlicher als auch auf individueller Ebene:

Die öffentliche Verwaltung profitiert von der GovBlockchain+ durch die dezentrale Speicherung der Transaktionen, da es keiner zentralen Stelle mehr bedarf, die diese Transaktionen legitimiert. Das hat eine deutliche Reduktion der Verwaltungskosten zur Folge. Die dezentrale Speicherung und Verschlüsselung der abgelegten Informationen macht die Blockchain-Lösung zudem sicherer als die herkömmliche zentrale Speicherung. Fortan reicht es nicht mehr aus, eine Datenbank anzugreifen, sondern es müssen alle Rechner eines Netzwerks befallen werden, um unerlaubt Änderungen vorzunehmen. Die GovBlockchain+ ist auch transparenter als herkömmliche Verfahren. Alle Transaktionen in der GovBlockchain+ und jeder Zugriff darauf werden protokolliert, womit sie für alle Parteien nachvollziehbar sind. Das Erteilen der Zugriffsrechte obliegt allerdings alleine dem Bürger.

Der Bürger profitiert seinerseits von der Blockchain durch den hohen Grad an Flexibilität, Zeitersparnisse und Sicherheit. Alle Informationen über die Lebenstransaktionen liegen in der GovBlockchain+ ab. Der Bürger muss keine weiteren Dokumente anfordern und kann je nach Anlass verschiedene Informationen zur Einsicht freigeben. Dadurch können auch Behörden schneller auf alle für das Anliegen notwendigen Informationen zugreifen und das Anliegen effizienter bearbeiten. Schließlich führt der Einsatz der GovBlockchain+ zu einer Zeitersparnis für den Bürger. Behördengänge fallen ebenso weg wie das Zusammentragen und Ordnen von Dokumenten. Von der erhöhten Sicherheit profitiert der Bürger ebenso wie die Verwaltung.

Die GovBlockchain+ steht vor technischen und rechtlichen Herausforderungen

Trotz der vielen Vorteile gibt es noch zahlreiche Herausforderungen hinsichtlich der Einführung einer Blockchain-Lösung zur Abwicklung von Verwaltungsdienstleistungen. Es handelt sich um eine noch junge Technologie mit vielen offenen Fragen bezüglich Skalierbarkeit, Performanz, Interoperabilität oder Energieverbrauch. Daneben müssen rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, wie die Anpassung des Datenschutzes und vertragsrechtlicher Bestimmungen.

Werden diese Herausforderungen künftig gelöst, kann die GovBlockchain+ als ständiger Begleiter im Leben aller Bürgerinnen und Bürger etabliert werden. Trotz des derzeitigen Hypes um die Blockchain-Technologie, gibt es bislang wenige konkrete Anwendungsszenarien. Deshalb ist die GovBlockchain+ eine Vision, um das Thema Blockchain für den öffentlichen Sektor greifbarer und sichtbarer zu machen. Wenn Sie mehr über die GovBlockchain+ oder weitere Anwendungsfälle der Technologie im öffentlichen Sektor erfahren wollen, kommen Sie gerne auf mich zu.

Weitere Ansprechpartner: Tom Johannes Gensicke (tom.gensicke@capgemini.com), Dirk Intrup (dirk.intrup@capgemini.com)

Über den Autor

David Wichmann
David Wichmann
Als Consultant im Bereich Public Services unterstützt David Wichmann die digitale Transformation des öffentlichen Sektors. Er begleitet seine Kunden bei Strategieentwicklung, Optimierung und Automatisierung von Prozessen sowie Changemanagement im Kontext der Digitalisierung.

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