Digital Transformation Blog

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Warum Unternehmen eine Cloud-Native-Strategie brauchen

Die Integration der Informationsverarbeitung in die Organisation von Unternehmen war seit jeher geprägt von dem Spannungsfeld zwischen der Standardisierung und Individualisierung von Anwendungen und Geschäftsprozessen. In den frühen Jahren der Informationsverarbeitung hat das Fehlen von möglichen Standardlösungen am Markt und der Glaube, dass sich Software der Organisationen anzupassen hat, dazu geführt, dass heute viele Applikationslandschaften mit individuell entwickelten Anwendungen durchzogen sind. Es zeigte sich allerdings in vielen Fällen, dass sich die organisatorischen Rahmenbedingungen schneller ändern, als individuelle Software nachentwickelt werden kann. Dies führte zu einer außerordentlichen Komplexität im Betrieb und der Weiterentwicklung der Applikationslandschaft, sodass es in den letzten Jahren zu einer strikten Standardisierung von Anwendungssoftware in Unternehmen gekommen ist.

Gleichzeitig belegt der Erfolg von Unternehmen wie Airbnb, Netflix, Google oder Uber eindeutig: Die Nutzung von Informationstechnologien wird zunehmend zum Wettbewerbsvorteil und für die Produktdifferenzierung immer wichtiger. Die genannten Unternehmen haben es mit einer klugen Geschäftsstrategie und individuell entwickelter Software aus der Cloud geschafft, Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Sie sind in der Lage schnell auf Kundenwünsche zu reagieren und kontinuierlich neue Funktionen zu veröffentlichen. Dem erfahrenen Leser ist jedoch aufgefallen: bei den genannten Unternehmen handelt es sich um große Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley, die mit viel Geld und exzellenten Softwareingenieuren neue Maßstäbe in der Entwicklung softwarebasierter Produkte gesetzt haben. Was bedeutet das aber für traditionelle Unternehmen und wie können sie von dieser Entwicklung profitieren? Eine Antwort darauf soll der Trend um Cloud-Native liefern.

Cloud-Native setzt neue Maßstäbe in der Entwicklung und Betrieb von Software

Für Cloud-Native gibt es noch keine einheitliche, etablierte Definition. Allgemein lässt sich aber sagen, dass es der Cloud-Native-Ansatz Organisationen ermöglicht, neue, softwarebasierte Produkte und Services mit hoher Geschwindigkeit, Qualität und Ausfallsicherheit zu entwickeln.

Um Cloud-Native zu verstehen, betrachten wir die zentralen Elemente, die diesen Entwicklungsansatz im Vergleich zur traditionellen Softwareentwicklung auszeichnen:

  • Microservice-Architektur: Traditionelle, monolithische Anwendungen stellen jeweils eine in sich geschlossene Einheit dar. Cloud-Native-Anwendungen dagegen setzen sich aus voneinander unabhängigen Microservices zusammen. Diese Microservice- Architektur unterteilt den Programmcode in modulare Einheiten (Units), die unabhängig voneinander eingeführt, skaliert und gewartet werden können.
  • Container-packaging: In sogenannten Containern isoliert, können die Units ohne Risiko für die Umgebung bewegt und komfortabel verwaltet werden.
  • Continuous Delivery: Beim Continuous Delivery-Prinzip werden einzelne Änderungen von Anwendungen nicht in einem großen Release gebündelt, sondern einzeln, ab Verfügbarkeit veröffentlicht.
  • DevOps: Cloud-Native-Anwendungen werden in der Regel mit DevOps umgesetzt und betrieben. Dies bedeutet unter anderem eine kontinuierliche Entwicklung mit automatisierter Integration und Anpassung der Softwareanwendungen.
  • Platform-as-a-Service (PaaS): Cloud-Native-Anwendungen werden im Normalfall auf PaaS-Umgebungen in der Cloud implementiert und betrieben. Die Plattform sorgt für die Ressourcenbereitstellung der Infrastruktur, automatisiert Prozesse und Abläufe und deckt den gesamten Lebenszyklus einer Anwendung ab.

Diese fünf Kernelemente tragen dazu bei, dass neue Funktionen in kürzester Zeit von den Entwicklern zu Anwendungen hinzugefügt und auf wechselnde Kundenanforderungen reagiert werden kann.

Droht mit Cloud-Native eine neue Welle komplexer, individuell entwickelter Software?

Diese Frage lässt sich nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten, sondern hängt von der konkreten Ausgestaltung der Cloud-Native-Strategie ab. Wichtig ist, dass Sie bei der Entwicklung Ihrer Cloud-Native-Strategie die Leitplanken Standardisierung, Automatisierung und Integration berücksichtigen. Durch intelligente Plattformen lassen sich viele manuelle Aufgaben automatisieren, die Fehlertoleranz der Applikationen erhöhen und schließlich bessere Software entwickeln, die schneller eingeführt werden kann. Gleichzeitig muss die Integration zu den bestehenden Back-End-Systemen wie ERP sichergestellt und tief in der Cloud-Native-Strategie verankert werden. Werden all diese Faktoren berücksichtig, kann das Spannungsfeld zwischen Standardisierung und Individualisierung in Einklang gebracht werden.

Der strategische Wert der IT nimmt zu

Durch die Entwicklung kundenfokussierter Applikationen, die einen direkten Mehrwert für  das Unternehmen generieren, wird die IT nun stärker als Kernkompetenz wahrgenommen und trägt damit maßgeblich zum Unternehmenserfolg bei. Aus meiner Sicht ebnet eine Cloud-Native-Strategie den Weg, die Rolle der IT noch weiter in den Fokus der Unternehmensstrategie zu rücken und dadurch die eigene Wettbewerbsposition nachhaltig zu verbessern. Gleichzeitig dürfen CxOs jedoch das Ziel nicht außer Acht lassen, die Standardisierung Ihrer Back-End-Prozesse im ERP-Bereich weiter voranzutreiben und die Entwicklung von Cloud-Native-Applikationen nur für eine echte Wettbewerbsdifferenzierung verwenden. Bereits 15% aller neuen Anwendungen werden laut der Capgemini-Studie Cloud Native Comes of Age als Cloud-Native Anwendungen entwickelt. Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus? Haben Sie bereits eine Cloud-Native-Strategie entwickelt?

Über den Autor

Norman Planner
Norman Planner
Norman Planner ist Senior Consultant im Bereich Business & Technology Innovation mit mehrjähriger Beratungs- und Industrieerfahrung. Sein Fokus liegt auf Cloud-Strategie, Cloud-Architektur und modernen Operatingmodellen von IT-Organisationen.

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