Digital Transformation Blog

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Agile Organisation – vom Buzzword zur Realität (Teil II)

Wie im ersten Teil der Reihe „Agile Organisation – vom Buzzword zur Realität“ beschrieben, existieren verschiedene Rahmenwerke zur Skalierung agiler Produktentwicklungsmethoden. Während sich jedoch Scrum mittlerweile als die unangefochtene Nummer 1 der agilen Produktentwicklungansätze etabliert hat, konnte sich bisher noch kein führender Ansatz zur Skalierung von einzelnen Teams, über Programme bis hin zur Portfolioebene ganzer Organisationen herauskristallisieren.

 

Der Wettlauf hat begonnen! Wer wird das neue skalierte Scrum?

Unter den sogenannten „Agilistas“ hat sich im letzten Jahrzehnt eine regelrechte Landschaft an Rahmenwerken für die verschiedenen Skalierungsebenen gebildet. Ein jedes hat den Anspruch die Kernfrage der Skalierung zu beantworten: „Wie können wir sicherstellen, dass mehrere selbstorganisierte Teams an einem gemeinsamen Ziel arbeiten, ohne dadurch an Agilität zu verlieren?“

Begrifflichkeiten wie Scaled Agile Framework (SAFe), Large-Scale-Scrum (LeSS), Disciplined Agile Delivery (DAD), Scrum-at-Scale oder Nexus sind hier in aller Munde, jedoch stellt sich dabei direkt die nächste Frage: „Welcher agile Skalierungsansatz passt am besten zu meinem Unternehmen?“

Dabei ist es entscheidend zu verstehen, dass die Ansätze sich zum Teil fundamental unterscheiden und von sehr adaptiven Konzepten wie LeSS bis hin zu sehr präskriptiven Rahmenwerken wie DAD reichen. Um also die richtige Wahl zu treffen, ist es von größter Wichtigkeit einen guten Überblick und ein tiefes Verständnis agiler Mechanismen zu haben. Wir empfehlen deshalb die Nutzung eines Evaluierungsleitfadens, welcher kundenspezifisch an verschiedenste Anforderungen angepasst werden sollte.

Die 3 Schritte zur Evaluierung agiler Skalierungsansätze

Die Evaluierung agiler Skalierungsansätze sollte auf einer nüchternen Analyse der jeweiligen Vor- und Nachteile basieren. Im Kern gilt es dabei die folgenden drei Schritte zu durchlaufen, da diese unserer Erfahrung nach die Erfolgswahrscheinlichkeit der agilen Transformation signifikant erhöhen.

1. Marktübersicht als Ausgangsbasis

Um für den Start Ihrer agilen Transformation das bestmöglichste Rahmenwerk als Ausgangsbasis zu identifizieren, erfolgt zunächst eine Bestandsaufnahme des Marktes. Auf Basis von freizugänglichen Quellen, wie z.B. Internetauftritten oder Arbeitsmaterialen, aber auch fußend auf Expertengesprächen und Fachartikeln wird eine Vielzahl von Kriterien durchleuchtet. Typischerweise reichen diese von „Abdeckung“ bis hin zu „Implementierung.“ Anbei ein Auszug aus Leitfragen deren Beantwortung für die Analyse entscheidend ist:

  • Inwiefern deckt das Rahmenwerk die relevanten Skalierungsebenen ab?
  • Zeichnet es sich durch einen adaptiven oder präskriptiven Charakter aus?
  • Welche Kosten sind mit einer Einführung des Rahmenwerks verbunden?
     

Bei der Erstellung einer solchen Übersicht ist sicherzustellen, dass besonders auch Marktneulinge betrachtet werden, da diese oft auf Erfahrungen älterer Ansätze aufbauen. Nur so können Sie den Markt für agile Skalierungsansätze tatsächlich besser einschätzen und eine „Make-or-Buy“ Entscheidung treffen.

2. Bedürfnisabgleich als Praxistest

Nachdem die Rahmenwerke anhand der Kriterien analysiert wurden, sollten Sie die konkreten Bedürfnisse Ihrer Organisation eruieren. Hier empfiehlt es sich agilen Grundprinzipien Folge zu leisten. Anstatt also „top down“ Vorgaben zu deklinieren, sollten Mitarbeiter verschiedenster Hintergründe zu Wort kommen. In Summe entsteht so eine realistische Abschätzung im Hinblick auf den Umfang der geplanten Skalierung. Ihr Bedürfnisabgleich sollte dabei folgende relevante Fragestellungen beantworten:

  • Wie viele Mitarbeiter sollen in Zukunft ganzheitlich „agil“ arbeiten?
  • Wie hoch ist der Anteil der heute schon auf Teamebene agil arbeitenden Mitarbeiter?
  • Wie hoch ist die Komplexität der Produkte die in Zukunft agil entwickelt werden sollen?
  • Wie komplex ist der dazugehörige Markt- und Organisationskontext?
     

Basierend auf Ihren Erkenntnissen, suchen Sie sich den agilen Skalierungsansatz mit der größten Passgenauigkeit aus. Dennoch sollten Sie im Hinterkopf behalten, dass eine agile Transformation immer auf die spezifischen Anforderungen und Restriktionen des Unternehmens zugeschnitten sein muss. Die agilen Skalierungsansätze sind daher eher als grobe Leitschnur zu verstehen.

3. Skalierungsebene als Entscheidungskriterium

Im Anschluss an eine genaue Analyse der Rahmenwerke sowie eines Bedürfnisabgleichs sollten Sie das passgenaueste Rahmenwerk für sich identifiziert haben. In der Folge unterscheidet sich das Vorgehen in Abhängigkeit von der Skalierungsebene. Geht es Ihnen primär um die Skalierung auf Programmebene, so empfehlen wir minimal-restriktive und adaptive Rahmenwerke. Möchten Sie hingegen agile Produktentwicklungsmethoden bis auf die Portfolioebene skalieren, so zeigt unsere Erfahrung, dass sich lediglich stark adaptierte Rahmenwerke eignen. Wie eine Transformation hin zu einer solchen agilen Organisation erfolgreich sein kann, stellen wir Ihnen im dritten Teil der Reihe „Agile Organisation – vom Buzzword zur Realität“ vor.

Über den Autor

Markus Vogg
Markus Vogg
Als Manager im Bereich Corporate Excellence & Transformation leitet Markus Vogg Projekte im Rahmen Agiler Transformationen. Sein persönlicher Branchen-Schwerpunkt liegt dabei auf der Beratung von Kunden aus der Finanzdienstleistungsbranche.

In his position as Manager within Corporate Excellence & Transformation, Markus Vogg has lead projects with regards to Agile Transformations. His personal sector focus lies in consulting clients from within the financial services sector.

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