Digital Transformation Blog

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Big Brother is watching you (driving)?

BMW Connected Drive, Volkswagen Car-Net, Audi Connect, Mercedes me connect: Für die meisten Kunden – mich eingeschlossen – kommt der Kauf eines Neufahrzeuges ohne Vernetzung nicht mehr in Frage. Mehr als ein Drittel der Befragten (36%) geben in unserer neuen Cars Online Studie 2017 an, sich in ihrem nächsten Fahrzeug Connected Car Services zu wünschen. So wie mein Smartphone weit mehr als nur ein tragbares Telefon ist, wird nun das Fahrzeug zu einem mobilen Hotspot transformiert, das zahlreiche online-basierte Anwendungen ermöglicht und uns als Fahrern das Leben erleichtert. Als ich das letzte Mal verzweifelt mein Fahrzeug in einem riesigen Parkhaus gesucht habe, wäre ich mehr als glücklich gewesen, wenn ich den Standort bequem per App hätte lokalisieren können.

Wenn ich an meine mobile Zukunft denke, stelle ich mir vor, nicht nur mit Siri und Alexa zu sprechen, sondern auch mit meinem Fahrzeug, das mich dann im Idealfall autonom zu meinem Ziel bringt. Was vor kurzem noch futuristisch erschien, ist nun in die Gegenwart gerückt. Auch was die Fahrsicherheit angeht, versprechen vernetzte Fahrzeuge großes Potenzial: Ab März 2018 muss der sogenannte „E-Call“, ein von der EU geplantes automatisches Notrufsystem, in alle neuen Fahrzeugmodelle verbaut werden. Durch diese Initiative wird das Thema Connected Car zusätzliche Aufmerksamkeit erfahren.

Datenschutzrechtliche Bedenken – Das Fahrzeug als Datenkrake?

Mein Fahrzeug als weiteres mobiles Endgerät erscheint mir verlockend und von den vielen Vorteilen muss ich als Digital Native keineswegs mehr überzeugt werden. Trotzdem hat mich kürzlich eine Diskussion über Connected Cars nachdenklich gemacht. Was weiß eigentlich mein Fahrzeughersteller über mich und mein Fahrverhalten? Welche Daten werden überhaupt erhoben und werden diese eventuell weitergegeben? Ein kritisches Szenario wäre beispielsweise, wenn „meine“ Fahrzeugnutzungsdaten ohne Einwilligung an Versicherungen weitergegeben werden. In einem weiteren Szenario male ich mir einen Hackerangriff auf sicherheitsrelevante Systeme meines Fahrzeuges aus.

Recherchiert man zu dem Thema, steigt die Verunsicherung weiter. Datenschützer schüren die Angst vor der „Datenkrake Auto“. Der ADAC kam bei der Untersuchung eines Mercedes und eines Renaults beispielsweise zu dem Ergebnis, dass laufend GPS-Daten und solche, die auf den ersten Blick als nicht notwendig erscheinen (wie die Anzahl elektronischer Gurtschraffungen), erhoben werden. Genau hier liegt die Krux: Die Studie des ADAC zeigt, dass aktuell lediglich die Fahrzeughersteller im Detail wissen, welche Daten von ihren Fahrzeugen zu welchem Zweck erhoben werden. Ich als Fahrerin gehe davon aus, dass die Nutzungsdaten meines Fahrzeuges mir gehören. Allerdings fühle ich mich wenig darüber informiert, was mit den Daten meines Fahrzeuges geschieht und würde mehr Proaktivität von meinem Hersteller erwarten.

Wie können die Hersteller den Kundenerwartungen gerecht werden?

Den Herstellern ist der Wert von Kunden- und Fahrzeugdaten bewusst. Das Marktvolumen für Connected Car Services soll sich bis 2020 sogar verfünffachen. Kunden sind jedoch eher bereit, ihre Daten zu teilen, wenn Transparenz über den Nutzungszweck besteht. Bereits in der Cars Online Studie 2015 konnte dieser Zusammenhang aufgezeigt werden: Bei etwa der Hälfte der Befragten führt eine Intransparenz in der Datennutzung zu Unzufriedenheit mit dem OEM. Trotzdem kommt die Cars Online Studie 2017 zu dem Ergebnis, dass der Großteil der Automobilkunden sich nach wie vor nicht gut darüber informiert fühlt, wie Händler und OEMs ihre personenbezogenen Daten nutzen. Wie 34% der Befragten bin auch ich grundsätzlich bereit, Fahrzeugdaten zu teilen, sofern ich über die Verwendung informiert werde und die Übermittlung dazu dient, mir auf meinen Bedarf zugeschnittene Services und Apps „on demand“ anzubieten. 

Hersteller sollten vor dem Hintergrund dieser Kundenerwartungen ihre Kommunikation in Bezug auf die Erfassung und Nutzung von Fahrzeugnutzungsdaten kritisch hinterfragen. Als Grundlage können sie sich dabei an der Leitlinie der VDA zu Datenschutzprinzipien für Connected Cars orientieren. Die Prinzipien bauen auf den folgenden drei Säulen auf:

Transparenz

Im Idealfall informieren Hersteller proaktiv darüber, welche Daten im Fahrzeug erhoben und zu welchem Zweck genutzt werden. Vollkommene Transparenz wäre dadurch geschaffen, wenn der Fahrer über das Boarddisplay einsehen kann, welche Daten zu welchem Zweck an welche Partei übermittelt werden.

Selbstbestimmung

Der Kunde muss selbst bestimmen können, ob und welche Daten im vernetzten Fahrzeug weitergegeben werden. Eine Möglichkeit wäre auch hier, den Fahrer über das Boarddisplay seine datenschutzrechtlichen Einwilligungen verwalten zu lassen – und ihm selbst die Weitergabe an dritte Parteien einzuräumen. Sofern eine Einwilligung wiederrufen wird und dadurch ein bestimmter Service nicht mehr in Anspruch genommen werden kann, könnte ebenso über das Fahrzeugdisplay informiert werden.

Datensicherheit

Die Hersteller sind dafür verantwortlich, die Fahrzeugdaten gegen Hackerangriffe zu schützen. Insbesondere die für die Fahrsicherheit relevanten Daten müssen dafür verschlüsselt übertragen werden. Um ein gutes Gefühl beim Fahrer zu erzeugen, wäre es auch hier wünschenswert, mehr Informationen seitens der OEMs zu bekommen. Datensicherheit ist für Hersteller somit ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Connected Car und Konnektivitätsdienste.

Durch die Berücksichtigung dieser Prinzipien rücken Kunden und OEMs im Umgang mit Fahrzeugnutzungsdaten enger zusammen, ein Vertrauensverhältnis entsteht. Basierend darauf können individualisierte, bedarfsgerechte Serviceangebote entwickelt werden, die das Kundenerlebnis im Fahrzeug optimieren.

Über den Autor

Helga Holes
Helga Holes
Helga Holes ist Consultant im Bereich Digital Customer Experience und entwickelt innovative, digitale Lösungen in den Bereichen Marketing und Vertrieb. Derzeit arbeitet sie schwerpunktmäßig an Strategien für ein optimiertes, digitales Kundenerlebnis im Automobilsektor. Einer ihrer Fokusthemen liegt zudem im Bereich Ambidexterity

Helga Holes is a Consultant specializing in Digital Customer Experience. Her focus lies on developing innovative, digital solutions in the fields of marketing and sales. She is passionate about developing strategies that transform the customer experience based on the latest digital trends, predominantly in the Automotive industry. Furthermore she supports her clients to become ambidextrous with the help of digital tools and methods.

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