Digital Transformation Blog

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Scharf nachgefragt: Zehn Fragen für Ihre digitale Transformation (Teil 1)

84 Prozent aller Unternehmen scheitern bei Projekten zur Digitalen Transformation, so Michael Gale in einem Interview mit dem Forbes Magazin. Eine erschreckend hohe Zahl, die ohne Zweifel hätte vermieden werden können, wenn sich die Verantwortlichen im Vorfeld die richtigen Fragen gestellt hätten. Denn, wie in jedem Projekt, gilt auch für digitale Transformations-Vorhaben: Vorbereitung ist die halbe Miete! Welche Fragen Sie sich vor Ihrem Transformationsprojekt stellen sollten, verrate ich Ihnen in diesem Artikel:

Der Blick aus der Vogelperspektive

Frage 1: In welcher Umwelt bewegt sich Ihr Unternehmen?

Von zentraler Bedeutung für ein erfolgreiches Projekt ist die Bestimmung Ihres Zielbildes. Bevor Sie jedoch lossprinten, rate ich Ihnen Ihr Unternehmen und seine Umwelt zuerst aus der Vogelperspektive zu betrachten. Denn für ein gutes Zielbild ist Branchenkenntnis unerlässlich. Naturgemäß gibt es ein „Überangebot“ an Möglichkeiten, die Sie in entsprechenden Projekten umsetzen können. Doch nicht jedes Projekt eignet sich auf für den Zustand Ihrer Industrie. Zum Beispiel erlebt die Automobilindustrie durch neue Player gerade umfassende, disruptive Veränderungen. Um sich diesen anzupassen, kann es sinnvoll sein, das eigene Geschäftsmodell grundlegend zu überdenken. Der Markt für klassische Konsumgüter wirkt hingegen stabil, weswegen Sie neue Möglichkeiten auch in bestehende Modelle integrieren können. Jedoch kann ich auch in scheinbar stabilen Märkten beispielsweise durch neue Mitbewerber in Kombination mit neuen Technologien eine erhebliche Veränderung entstehen.

Frage 2: Kennen Sie die digitalen Trends und haben nachhaltig verstanden, wie sich diese auf Ihr Geschäft auswirken?

Diese Frage gilt für digitale Transformationsprojekte und digitale Prozesse gleichermaßen. Welche digitalen Trends prägen Ihre Branche, ihren Staat und gegebenenfalls sogar Ihren Kontinent und wie verändern diese Ihr Geschäft? Gibt es vielleicht andere Trends auf anderen Kontinenten, die dort von Nutzern sehr gut angenommen werden? Betrachten Sie diese Punkte und denken Sie out-of-the-box. Versuchen Sie, sich über externe Quellen einen Überblick zu verschaffen und probieren Sie die Dinge wirklich selbst aus.

Zeichnen Sie Ihr Zielbild

Frage 3: Was wollen Sie erreichen? Interne Automatisierung, Datenerhebung von Kunden, neue Vertriebswege, neue Strategien?

Nach der Einordnung Ihres Unternehmens können Sie nun ein klares Zielbild für Ihr digitales Transformationsprojekt erarbeiten. Dieses können Sie aus Trends ableiten, über klassische Innovationsverfahren, wie etwa Brainstorming, ermitteln oder auch über eine Open Innovation finden. Dieses Projekt kann abgegrenzt sein und sich beispielsweise rein um die verbesserte Kundenansprache im Service durch interactives Voice Response System drehen, oder auch sehr eng mit der Strategie verzahnt sein („Mehr Wachstum durch digitale Beschleunigung!“).

Frage 4: Haben Sie diese(s) Ziel(e) in Ihrer Strategie eingebettet und so in der Organisation verankert, dass auch die Stakeholder entsprechend interagieren können?

Das Projekt-Portfolio ist entwickelt. Nun sollten Sie im nächsten Schritt prüfen, wie dieses zu Ihrer Unternehmensstrategie passt. Hierzu empfehle ich die Beurteilung und Priorisierung durch ein Steuergremium. Meiner Einschätzung nach sollte dabei die inhaltliche Sinnhaftigkeit im Vordergrund stehen. Denn häufig kann ein Business Case in der Anfangsphase des Projekts nur schwer genau beschrieben werden. Ich empfehle Ihnen daher, mit agilen Methoden vorzugehen. Das heißt, den Sinn und Zweck der Aktivität in kurzen Abständen, sogenannten Sprints, verproben und Kunden früh mit einem ersten Produkt, dem „Minimal Viable Produkt“ konfrontieren.

Der Projektplan – Ihre Waffe gegen das Projektdickicht

Frage 5: Haben Sie für Ihr Zielbild zunächst wenige Projekte identifiziert, die sich zeitnah, sprich innerhalb von zwei Jahren und mit substanziellem Mehrwert für Ihr Geschäft umsetzen lassen und ist die Ausstattung mit Ressourcen und Budget dafür geklärt?

Nichts geht über einen guten Plan. In meiner Praxis hat sich folgende Regel für eine erfolgreiche Umsetzung bewährt: Wählen Sie wenige Ideen, aber dafür gute mit einem signifikanten Nutzen für Ihr Geschäft. Über ihren Fortschritt sollte in kurzen Abständen (monatlich) berichtet werden. Ich empfehle außerdem nur solche Projekte zu wählen, die sich innerhalb kurzer Zeit erfolgreich umsetzen lassen. Sonst droht Ihr Unternehmen im Projektdickicht zu verschwinden. Als grobe Faustregel können Sie von einer geringeren Anzahl als fünf Projekten mit einer Umsetzung von nicht mehr als zwei Jahren ausgehen. Beziehen Sie in Ihre Planung auch Überlegungen zu Ressourcen, organisatorischen Entscheidungen und verwendeten (agilen) Methoden mit ein.

An dieser Stelle teile ich meinen Beitrag. Die ersten 5 Fragen legen einen wichtigen Grundstein für Ihr Projekt. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit! Nächste Woche erfahren Sie im zweiten Teil, wie Sie das Projekt richtig verankern, mit Leben füllen und die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Go Live schaffen. Seien Sie gespannt!

Über den Autor

Wilhelm Bielert
Wilhelm Bielert
Ich gestalte gemeinsam mit unseren Kunden die Digitale Transformation ganz konkret durch Entwicklung und Einführung ganz neuer Geschäftsmodelle, die dann zu ganz neuen Umsätzen führen. Dies habe ich bei führenden Konzernen u.a. im Automobilsektor umgesetzt.

In close collaboration with our customers I develop and lead the digital transformation by developing and introducing completely new business models, which then result in completely new revenue streams. I have implemented this for leading corporations including the automotive sector.

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