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Können das Lean Startup Konzept und Minimum Viable Products auch bei Großunternehmen zum Erfolg führen?

Kategorie: Digital Strategy

Ist das Erfolgsrezept Lean Startup mit Minimum Viable Products auch für große Unternehmen sinnvoll?

Das Konzept „Lean Startup“ von Eric Ries zur effizienten Umsetzung von neuen Produkten, Geschäftsmodellen oder gesamten Unternehmen ist das Standardwerk für alle Unternehmensgründer geworden. Startups leben die ressourcenschonende und kundenzentrierte Herangehensweise und bringen mit wenigen Ressourcen in enger Zusammenarbeit mit ihren Kunden erfolgreiche Produkte auf den Markt. Der Erfolg, den Startups damit haben, macht viele etablierte Unternehmen neugierig. Capgemini Consulting beleuchtet für Sie den Hintergrund von dem Konzept „Lean Startup“ und die Bedeutung des Minimum Viable Products.
 

Große Unternehmen tun sich mit Innovationen schwer

Wie bereits in der Capgemini Consulting Studie „The Innovation Game: Why and How Businesses are Investing in Innovation Centers“ gezeigt, steigt der Innovationsdruck in traditionellen Branchen, während gleichzeitig 90% der Unternehmen ihre Entwicklungsprozesse für neue Produkte und Services als zu langsam bewerten. Diese Unternehmen entwickeln ihre neuen Geschäftsmodelle mit hohem Aufwand entlang von statischen Prozessen und Marktforschungsdaten auf ein nahezu fertiges Produkt hin. Jedoch sind bei weit fortgeschrittenen Produkten nachträgliche Justierungen nur sehr schwierig realisierbar und mit hohen Kosten verbunden. Die Erfahrung zeigt, dass ohne ausreichende Berücksichtigung der Bedürfnisse des Endverbrauchers die Investition in neue Produkte in den seltensten Fällen von Erfolg gekürt ist.
 

Microsoft hat diese Erfahrung schmerzlich bei der Einführung von Windows 8 machen müssen. Einer Entwicklungsinvestition in Höhe von ca. $1,8 Milliarden, die ein verbessertes plattformübergreifendes Bedienkonzept als Ziel hatte, stand eine überwiegend negative Reaktion der Nutzer gegenüber. Windows 8 benötigte drei Mal so lange, um die gleiche Nutzeranzahl zu erreichen, wie Windows 7 zuvor. Grund dafür: Das Bedürfnis der Konsumenten nach einem auf PCs optimal zu bedienenden Betriebssystem wurde bei der Konzeption nicht berücksichtigt. Dies ist allerdings kein Einzelfall. Auch HP musste mit der Einführung des HP Touch Pads herbe Einbußen verbuchen. Der Internethändler Best Buy saß zwischenzeitlich auf über 200.000 unverkauften Tablets fest. Die abzuschreibenden Kosten beliefen sich in Summe auf  $1.640 Milliarden. Zum einem überzog man die Entwicklungszeit, zum anderem fehlte der potentiellen Absatzmarkt. Es stellt sich also die Frage, wie die Gefahr einer Produktentwicklung „am Markt vorbei“ zu reduzieren ist!
 

Mit dem MVP kundenzentriert entwickeln

Eben jene Herausforderungen können mit Hilfe des Minimum Viable Product (MVP) Ansatzes, der auf die Minimierung des Risikos bei Produktentwicklungen ausgerichtet ist, gelöst werden. Ein wesentliches Merkmal des Ansatzes ist das frühestmögliche iterative Testen des Produktes bei der relevanten Zielgruppe. Um dies zu ermöglichen, gilt es folgende zwei Kerneigenschaften des MVPs zu beachten:

  • Die Kernfunktionen des Produktes muss im MVP nutzbar sein und das definierte Kundenproblem zumindest rudimentär lösen.
  • Der Umfang und der Entwicklungsstatus beim ersten Test, muss optimal gewählt werden, um mit minimalem Aufwand an Zeit und Ressourcen frühzeitig ein Maximum an Erkenntnissen zu erzielen.              

Es gibt Ansätze, die den Prototypen vor dem MVP sehen. In dem Fall dient der Prototyp nur zu Demonstrationszwecken, wohingegen ein MVP die Grundversion des Produktes darstellt. Diese Vorgehensweise hat gerade für größere Unternehmen einen Vorteil, da sie eine klare Abgrenzung zwischen der Kommunikation der Idee und der tatsächlichen Entwicklung des Produktes bildet. Allgemein gilt jedoch, dass es keine klare Definition des MVPs gibt und jeder die Ausgestaltung finden sollte, die für das jeweilige Produkt die besten Testergebnisse liefert.

In den Tests wird basierend auf der von Eric Ries entwickelten Lean Startup Methodik die Resonanz auf das Produkt gemessen, ausgewertet und anschließend in einem schrittweisen Lernprozess weiterentwickelt.

Kurz gesagt, der MVP verkürzt die Zeit bis zur ersten Kundenresonanz und ermöglicht analog dazu die Erkenntnisse über Risiko und Bedürfnisse frühzeitig in die Entwicklung einfließen zu lassen. 

Den Erfolg der Methodik konnten bereits einige namenhafte Unternehmen unter Beweis stellen. Dropbox beispielsweise testete seinen MVP mit einem drei-minütigen Video. Das Video erhöhte über Nacht die Warteliste zum Betatest von 5.000 auf 75.000 Personen. Auch Foursquare, Virgin Air und Groupon nutzten diese Vorgehensweise, um frühestmögliches Feedback zu ihrem neuen Produkt zu erhalten.

Dropboxvideo zur Marktabschätzung

Mit fortschreitender Entwicklungszeit läuft jede Entwicklung Gefahr an den Markt- und Kundenbedürfnissen vorbei zu agieren und in einem Desaster zu enden. Daher gilt es traditionelle Arbeitsweisen und Befürchtungen zu überwinden, um mit Hilfe von MVPs früh genug dieses Risiko zu minimieren.

Doch einige Fragen bleiben offen: Wie stelle ich fest, welche Eigenschaften für mein Produkt wichtig sind? Wie kann ich den Absatzmarkt abschätzen? Auch diesen Fragen gehen wir auf den Grund. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie im nächsten Teil unserer dreiteiligen Artikelreihe rund um das Thema MVP. Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Meinung und einen Austausch mit Ihnen

„Der Beitrag entstand auf Basis der Recherche meines Kollegen Felix Bischopink, Digital Strategy Consultant bei Capgemini Consulting“

Über den Autor

Olivier Hervé
Olivier Hervé
Olivier Hervé leitet das Strategy & Innovation Team bei Capgemini Consulting.

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