Digital Transformation Blog

Digital Transformation Blog

Opinions expressed on this blog reflect the writer’s views and not the position of the Capgemini Group

Der CIO wird der neue Libero auf dem Industrie 4.0 Spielfeld

Kategorie: Industrie 4.0

Auf der Hannover Messe sind sich die Stimmen aus Industrie und Politik einig: Industrie 4.0 muss den Stempel „Made in Germany“ tragen. Dementsprechend viel gibt die Industrie derzeit für Informationstechnologie aus, das zeigen auch die Ergebnisse der IT-Trends-Studie 2015. In keiner anderen Branche profitieren so viele CIOs von Budget-Erhöhungen. Aber setzen sie damit auch die richtigen Maßnahmen um? Und wird das reichen, um Vorreiter zu werden?
 
Zugegeben, an Geld scheint es ausnahmsweise nicht zu mangeln. Insgesamt können mehr als 60 Prozent der Industrie-CIOs in diesem Jahr mehr ausgeben, die meisten von ihnen bis zu 10 Prozent. Die damit verknüpften Ziele lauten die Effizienz der IT zu erhöhen und die Digitalisierung voranzutreiben. Darüber hinaus sollen neue IT-Produkte und -Services entwickelt und die Informationsauswertung und -nutzung zu verbessert werden, sprich, in Big Data Analytics zu investieren.
 
Auf den ersten Blick spielt Industrie 4.0 also eine große Rolle bei den Vorgaben für dieses Jahr. Und bei der Umsetzung von Big-Data-Vorhaben ist die Branche sogar Spitzenreiter: 25 Prozent der befragten Industrie-CIOs haben bereits eine oder mehrere Anwendungen in Betrieb und übertreffen damit sogar die Finanzdienstleister. Der Fokus bei Big Data Analytics liegt auf der Auswertung strukturierter interner Daten und von Informationen aus dem Internet of Things. Es scheint also alles auf Kurs Industrie 4.0 eingestellt.
 
Auf den zweiten Blick stellt sich allerdings heraus, dass ein Viertel aller Industrie-Betriebe Probleme mit der Digitalisierung hat. Am häufigsten werden der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern und die fehlende übergreifende Planung genannt. Zu diesem Ergebnis kommt auch die aktuelle Studie „Big & Fast Data“. Fast ebenso viele CIOs klagen trotz der vergleichsweise guten Budget-Situation über zu wenig Geld und über starre Organisationsstrukturen. Das alles scheinen aber nicht nur taktische Probleme zu sein, sondern sind meiner Meinung nach Symptome eines strategischen Problems.
 
Als Vergleich dient wieder einmal die Finanzdienstleistungsbranche. Für sie spielt IT seit vielen Jahren eine so entscheidende Rolle im Unternehmen, dass der CIO längst nicht mehr derjenige ist, der nur Systeme breit stellt. In mehr als 45 Prozent der untersuchten Unternehmen nimmt er an jeder Sitzung des Management-Boards teil und ist dementsprechend ein fester Bestandteil der strategischen Führungsebene.
 
Nicht so in der Industrie: Hier nehmen lediglich 21 Prozent der CIOs an jedem Meeting teil. Die Mehrheit (knapp 58 Prozent) ist nur manchmal dabei, sprich auf Einladung. Das ist absolut verständlich angesichts der Tatsache, dass IT bislang nur ein Nebenschauplatz war. Aber ist das die richtige Einstellung für ein Unternehmen, dessen Erfolg in naher Zukunft wesentlich davon bestimmt werden wird, wie gut die IT aufgestellt ist und die Digitalisierung gelingt?
 
Wahrscheinlich ist vielen Führungskreisen der entsprechenden Unternehmen noch gar nicht so klar, dass Industrie 4.0 mehr Veränderungen mit sich bringen wird, als nur den massiven Ausbau der IT. Für diese vierte industrielle Revolution müssen sie ihren Fokus deutlich verschieben und das braucht in der Regel Zeit. Aber es wundert nicht, dass viele Unternehmen Probleme mit der Digitalisierung haben, wenn ihr auf der Führungsebene nicht die entsprechende Bedeutung zugemessen wird. Und mit Bedeutung meine ich nicht nur Budget bereitzustellen und IT-Initiativen durchzuwinken, sondern die Bereitschaft, das Unternehmen komplett neu aufzustellen, Mitarbeiter weiterzubilden und Experten zu suchen, die man bisher gar nicht brauchte. Einen übergreifenden Plan für alle Abteilungen zu machen und ein Transformationsprogramm zu starten, um alte Organisationsstrukturen auf „4.0“ upzudaten.
 
Das kann nämlich nur von ganz oben angestoßen werden und eben dazu müsste der CIO mehr Gewicht im Board bekommen. Sonst wird Deutschland meiner Meinung nach wenig Chancen haben, die vielfach verlangte Vorreiterrolle zu übernehmen. Oder um es mit den Worten von Bitkom-Präsident Dieter Kempf auf dem Hamburger IT-Gipfel im vergangenen Herbst auszudrücken: „Noch sitzen wir allzu oft am Spielfeldrand. Wir müssen raus aufs Feld.“
.
„Dieser Text ist ursprünglich in unserer Schwester-Publikation IT-Trends-Blog erschienen. Hier können Sie sich über aktuelle IT-Themen mit einem Fokus auf die Sicht der CIOs informieren“.  
 

Über den Autor

Uwe Dumslaff
Uwe Dumslaff
Uwe Dumslaff ist Corporate Vice President und Chief Technology Officer für Capgemini Deutschland und Teil des Capgemini CTO Network Teams. Sein Fokus ist die Digitale Transformation.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * gekennzeichnet.