Digital Transformation Blog

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Internet der Dinge: Hype oder Erfolgsversprechen für Schweizer Unternehmen?

Was würden Sie lieber kaufen: Eine Zahnbürste, die Ihre Putztechnik verbessert? Ein Medikament, dass Sie an die nächste Einnahme erinnert? Oder ein Auto, dass sich nach dem Diebstahl direkt bei der örtlichen Polizeiwache meldet? Das sogenannte „Internet der Dinge“ ist nicht nur Wunschdenken, viele Use Cases sind bereits Realität – auch im B2B-Sektor. Aber zur Sache, Schätzchen: Was ist Marketing und was sind realistische Geschäftsmodelle? Und was heißt das für die Schweizer Wirtschaft in der kommenden Dekade?
 
In unserem neusten Point of View analysieren wir das Transformationspotential der Schweizer Wirtschaft durch das Internet der Dinge. Sechs Schlüsselbranchen haben wir genauer unter die Lupe genommen und nach Anwendungskonzepten in Schweizer Unternehmen gesucht.

 Key Findings:

  • Das Internet der Dinge ist kein kurzfristiger Hype, sondern ein ernstzunehmende Transformation der Geschäftsmodelle.
  • Die Schweiz steht im internationalen Vergleich noch am Anfang des Trends, die Versicherungsbranche hat jedoch eine Vorreiterstellung inne.

Hype oder Internet of the (Next Big) Thing?

Die Untersuchung zeichnet ein klares Bild: Anwendungen des Internet der Dinge haben Auswirkungen auf alle von uns betrachteten Branchen, jedoch mit unterschiedlicher Ausprägung. Auch die Entwicklung der letzten Jahre zeigt eindeutig, dass das Internet der Dinge kein kurzfristiger Hype ist: Google‘s Übernahme des Unternehmens Nest Labs im Januar 2014, ein Hersteller intelligenter Thermostate und Feuermelder, für insgesamt 3,2 Milliarden US-Dollar, ist nicht nur der zweitgrösste Kauf in der Geschichte des Suchmaschinenanbieters, sondern zeigt die steigende Bedeutung des Internet der Dinge. Der Telekommunikationsexperte Cisco schätzt, dass bis im Jahr 2020 über 50 Milliarden Geräte auf der Welt mit dem Internet verbunden sein werden. Der Wirbel um das Internet der Dinge ist wohl mehr als ein Hype. Aber welchen Einfluss hat das Internet der Dinge auf einzelne Branchen?
 

Von der Prozessoptimierung bis zur Revolution- alles ist möglich

Geschäftsmodelltransformationen werden vor allem in der Versicherungsbranche, im Gesundheitswesen und in der Energiebranche erwartet. „Usage-based Insurance“, ein Anwendungskonzept welches durch Telematik ermöglicht wird, kann auf lange Sicht die Logik der Versicherungsindustrie grundlegend verändern, denn die Berechnung der Prämie und damit des Risikos wird in Zukunft nicht mehr aufgrund von Erfahrungswerten und historischen Daten berechnet, sondern vor allem durch das aktuelle Verhalten des einzelnen Versicherten.
Das Gesundheitswesen erfährt durch Health Wearables eine regelrechte Revolution: Durch die Möglichkeit, Patienten auf einer stetigen Basis zu beobachten und gegebenenfalls Vitaldaten an Krankenhäuser schicken, ergibt sich ein enormes Potential.
Schliesslich wird die Thematik rund um Smart Grids die Energiebranche nachhaltig transformieren, auch wenn dies ein langer Prozess sein wird.
Im Handel gibt es vor allem in der Interaktion mit Kunden deutliche Auswirkungen, da eine sofortige Auswertung von Daten beispielsweise das Anzeigen von individualisierter Werbung in Echtzeit ermöglicht. Der „Store der Zukunft“ wird bald Mainstream und das Kundenerlebnis verbessern.
In der Logistik sowie in der industriellen Produktion hingegen können vor allem durch flexible und reaktionsfähige Systeme und einer selbstlernenden Wertschöpfungskette die operativen Prozesse erheblich optimiert werden.
 

Schweizer Unternehmen im internationalen Vergleich

Schweizer Unternehmen haben schon früh begonnen, Konzepte mit Technologien des Internet der Dinge zu implementieren. Wirklich innovative Use Cases werden aber derzeit noch selten in der Schweiz gefunden, meist wird lediglich RFID (Radio Frequency Identification) für die Optimierung interner Prozesse benutzt.
Eine Ausnahme stellt die Schweizer Versicherungsbranche dar, welche schon sehr fortgeschrittene Konzepte implementiert hat. So haben beispielsweise sowohl AXA Winterthur als auch Allianz Suisse ein Angebot lanciert, bei dem Privatpersonen ein Telematikgerät in ihr Auto einbauen können, das beispielsweise die zurückgelegte Strecke, das Bremsverhalten und die Geschwindigkeit für eine genauere Analyse im Falle eines Schadensfalls aufzeichnet. Auch die industrielle Produktion in der Schweiz weist überdurchschnittlich viele Use Cases auf. Ein sehr innovatives Schweizer Unternehmen ist Intellion, welches Lösungen für intralogistische Prozesse konzeptioniert und realisiert, die durch den Einsatz drahtloser Kommunikationstechnologien optimal unterstützt werden. Die Logistikbranche, das Gesundheitswesen sowie die Energiebranche wurden im globalen Vergleich als durchschnittlich bewertet. Lediglich im Handel sind nur wenige Anwendungsbeispiele bekannt.
Die Analyse zeigt: Konzepte des Internet der Dinge haben bereits Einzug in Schweizer Unternehmen erhalten. Dennoch, Anwendung finden sie bisher meist nur in den operativen Prozessen innerhalb eines Unternehmens, um Effizienzsteigerungen zu erzielen – innovative Use Cases werden erst zögerlich getestet. Geschäftsmodell­transformationen hingegen sucht man bisher vergebens.
 
Ein Auszug der „Internet of Things Point of View 2014“ steht auf Slideshare zur Verfügung

 

Über den Autor

Guido Kamann
Guido Kamann
Ich bin Guido Kamann, Vice President Technology Transformation bei Capgemini Consulting und Ihr Experte für strategisches IT Management. Ich arbeite bereits seit vielen Jahren für die Capgemini Gruppe in verschiedenen Positionen und Industrien und leite das Technology Transformation Team für die deutschsprachigen Länder.

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