Digital Transformation Blog

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Industrie 4.0: Eine Revolution mit Ansage (Teil 1/2)

Der Begriff Industrie 4.0 ist im Umfeld der produzierenden Industrie spätestens seit Anfang des Jahres in aller Munde. Die Faszination, die von dem Szenario einer bevorstehenden vierten industriellen Revolution ausgeht, hat einen regelrechten Hype in der Branche ausgelöst. Mittlerweile ist dieser nicht mehr auf Deutschland begrenzt – Industrie 4.0 ist zu einem globalen Thema geworden. Für uns zeigt sich das in der stetig zunehmenden Anzahl von Anfragen internationaler Kunden, die mit großer Aufmerksamkeit die Entwicklungen in Deutschland beobachten. Gleichzeitig werden immer mehr Länder ebenfalls mit organisierten Plattformen aktiv bzw. schließen sich Unternehmen im Verbund zusammen, um sich diesem Thema zu widmen. Dazu gehört z.B. das Industrial Internet Consortium in den USA.


Warum die Revolution kommen wird…

In die aktuelle Diskussion rund um Industrie 4.0 mischen sich durchaus auch kritische Stimmen. Häufig wird argumentiert, dass die Kernideen in den vergangenen 30 Jahren bereits häufig unter anderen Schlagwörtern diskutiert wurden, ohne jedoch nennenswerte Auswirkungen auf die Branche zu haben. Beispielhaft wird hier meistens das CIM (Computer Integrated Manufacturing) Konzept genannt. Und in der Tat haben nur wenige der in der Vergangenheit diskutierten Ideen ihren Weg in die Praxis gefunden. Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die vierte industrielle Revolution auch in absehbarer Zeit nicht kommen wird, greift jedoch zu kurz.

Wenn man die drei bisherigen industriellen Revolutionen betrachtet, erkennt man vor allem eine grundlegende Gemeinsamkeit: die Bewältigung fundamentaler, bis dato ungelöster Marktherausforderungen durch einen disruptiven Technologiewandel. Diese Kombination aus einem „Market Pull“ und einem „Technology Push“ ist offensichtlich der Nährboden für industrielle Revolutionen. Und hier liegt der Unterschied zwischen Industrie 4.0 und CIM: Die seit geraumer Zeit bestehenden Marktherausforderungen werden erst durch das sich aktuell entwickelnde Leistungsvermögen digitaler Technologien grundsätzlich lösbar.


Die aktuellen Marktherausforderungen – gute, alte Bekannte!

Vergleicht man aktuelle Studien mit denen aus den Jahren 2005, 1995 oder sogar 1985, fällt vor allem eines auf: eine bemerkenswerte Kontinuität der beschrieben Marktherausforderungen. Im Grunde sprechen wir seit mindestens  zwei Jahrzehnten über die gleichen Fragestellungen. Im Allgemeinen haben sich die Herausforderungen sogar noch erheblich verschärft. Nehmen wir das Beispiel der Globalisierung: Ging es in den 1990er Jahren zunächst primär nur darum, neue Märkte zu erschließen, so sprechen wir heute darüber, wie Unternehmen globale Wertschöpfungsketten effizient gestalten und steuern können.

Die Kontinuität der Marktherausforderungen liegt im Wesentlichen darin begründet, dass es bisher keine grundlegenden Lösungsansätze gibt. In der Regel haben produzierende Unternehmen in der Vergangenheit eher „Workarounds“ für diese Herausforderungen entwickelt. Ein schönes Beispiel ist die Produktindividualsierung: Die durch kundenindividuelle Produkte entstehende Prozessvarianz führt zu stark steigenden Kosten entlang der Wertschöpfungskette. Um dem Trade-off zwischen Produktindividualsierung und Prozesseffizienz entgegenzuwirken, haben Unternehmen umfangreiche Produktbaukästen entwickelt. In Grenzen können Produkte so für den einzelnen Kunden adaptiert werden. Um jedoch maßgeschneiderte Kundenlösungen annähernd zu den Kosten eines Standardproduktes liefern zu können, müsste der beschriebene Trade-off aufgelöst werden. Hierfür aber bedarf es eines technologiegetriebenen Paradigmenwechsels.

Was genau unter diesem Paradigmenwechsel zu verstehen ist, und wo der Unterschied zu früheren Entwicklungen liegt, das erfahren Sie im zweiten Teil zweiten Teil des Blogposts. 

Über den Autor

Christoph Lauenstein
Christoph Lauenstein
Christoph Lauenstein ist Experte für Digital Transformation in produzierenden Industrien. Als Berater bei Capgemini Consulting beschäftigt er sich fokussiert mit der vierten industriellen Revolution. Er entwickelt sowohl in Kundenprojekten als auch in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) Center for Digital Business innovative Strategien für das nächste industrielle Zeitalter.

Christoph is an expert for Digital Transformation in the manufacturing and automotive industry. He focuses on the fourth industrial revolution, develops innovative strategies for the next industrial era in customer projects as well as in a joint research project with the Massachusetts Institute of Technology (MIT) Center for Digital Business.

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