Digital Transformation Blog

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Google+ Bank – ein Gedankenspiel?!

2011 wagte Google mit der Initiative „Google Wallet“ erstmals einen Schritt in die Finanzbranche. Die elektronische Geldbörse sollte Nutzern u.a. einfachen Zahlungsverkehr im Internet und auf Handys ermöglichen. Schon allein mit der Ankündigung erhöhte Google den Druck auf die Bankenwelt enorm. Gerade im Privatkundengeschäft sahen sich die Kreditinstitute zunehmend unter Druck, da Google auf einen ihrer wichtigsten, weil umsatzstärksten Geschäftsbereiche abzielte. Zunächst schien das Projekt zu scheitern, da sich die Anzahl der Downloads von Google Wallet in 4 Jahren gerade einmal auf 10 Mio. belief. Im Vergleich dazu verzeichnete die App „Angry Birds“ die gleiche Anzahl an Downloads innerhalb von nur 4 Wochen.

Zweiter Anlauf

Beim Launch von „Google Glasses“ integrierte Google auch hier die Wallet Funktionen. Damit erinnerte der Internetkonzern daran, dass sein Fokus auch weiterhin auf einen Einstieg in den elektronischen Zahlungsverkehr gerichtet ist. Mehr noch, denn Google investierte seit 2011 mehr als 300 Mio. US-Dollar in StartUps aus dem E-Payment Bereich und kooperierte mit Telekommunikationsgesellschaften und Zahlungsterminalherstellern, um seine Wallet Solution weiterhin zu pushen.

Erkennung von Potenzialen: High Net Worth Individuals

Doch wird sich Google damit zufrieden geben? Reicht es den Kaliforniern eine Wallet Solution im Markt zu positionieren? Was ist, wenn dies nur der erste Schritt ist und Google seine gesammelten Datenmengen und seine Fähigkeit zur Analyse personenbezogener Informationen nutzt, um ein eigenes Bankingangebot zu schaffen. Eine attraktive Zielgruppe für eine solche „Google Bank“ wären hochvermögende Personen, sogenannte High Net Worth Individuals (HNWI), da dieser Personenkreis sehr informationsaffin ist und sich ständig über über Marktpotenziale, Trends und neue Investitionsmöglichkeiten informiert.
Das Interesse der vermögenden Investoren geht weg von der Inanspruchnahme von Beratungsangeboten bei klassischen Banken hin zur Nutzung von analytischen Tools, um selbst Anlageentscheidungen treffen zu können. Beratungsleistungen werden eher im Investmentbanking nachgefragt. Der klassische Mitarbeiter einer Privat-Bank wird so vermehrt in die Rolle eines „Erfüllungsgehilfen“ gedrängt  Das führt auch dazu, dass die Bereitschaft zur Nutzung von gebührenpflichtigen Banking-Services abnimmt.
In einem solchen Kontext ist es mehr als denkbar, dass vermögende Investoren sehr stark an günstigen oder sogar „free-of-charge“ Angeboten von Google interessiert sein könnten, die ihnen bei der Identifizierung, Analyse und Bewertung von Anlagemöglichkeiten helfen, sie mit anderen Investoren einfach und unverbindlich in Kontakt treten lässt und ggf. sogar eine entsprechende Community für den Austausch von Tipps und Tricks bereitstellt.  

Financial Social Network

Welchen Erfolg könnte ein solches HNWI´s Social Network vergleichbar mit Google+ nach sich ziehen?
Google+ bietet unter anderem die Funktion von „Kreisen“ an, mit der Kontakte nach Interessen, Gewohnheiten, Familienstatus etc. sortiert werden können. Auch spezielle Communities zum persönlichen, themenbezogenen Austausch sind verfügbar. Zudem ist das Netzwerk ein sehr leistungsstarkes Tool, um die Verhaltensweisen und persönlichen Werte der Nutzer zu untersuchen.
Die Mitglieder des Netzwerkes würden Zugang zu einem per­for­manten Analysetool erhalten, um Ihre Investmentideen auszuarbeiten. Innerhalb der Community könnten die Nutzer Anregungen und Empfehlungen hinsichtlich finanzieller Fragestellungen teilen. Aufgrund der bedeutenden Gemeinsamkeiten könnten Nutzer sich untereinander austauschen und gegenseitige Beratungsfunktionen einnehmen („Connected Customer“). Google könnte ein Paket aus Infrastruktur, Daten und Analysetools für die Nutzer anbieten sowie Backbones für den Zahlungsverkehr und Newsfeeds für Aktienkurse bereitstellen.
Darüber hinaus könnte Google Kooperationen mit Kreditinstituten eingehen, um deren Angebot in das soziale Netzwerk bzw. in seine Wallet Lösung zu integrieren. Teilnehmende Banken könnten dann über „Connection Fees“ am Geschäft partizipieren.
Eine solche Kombination aus funktionserweiterten Google Wallets und einem sozialen Netzwerk wie Google+ könnte zu einem leistungsstärkeren Angebot führen, als dies eine klassische Privatbank mit Kunden- und Vermögensberatern alleine unterbreiten könnte.

Welche Folgen hätte dies für die Bankenindustrie?

Eine Google+ Bank in Form „Financial Social Network“ wäre eine echte Bedrohung für die Finanzindustrie.  Denn die Kreditinstitute würden stark an Bedeutung verlieren, da ihre traditionellen Stärken in der Beratung durch die Data Analytics Performance von Google aufgeweicht bzw. obsolet gemacht würden. Um diesem Schicksal zu entgehen, böte sich den Banken die Möglichkeit, sich in die neue Google Welt zu integrieren und sich dort klar zu spezialisieren. So können sich die Banken ein gewisses Expertentum  und damit ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal erarbeiten. Geschickt positioniert ließen sich auch so entsprechendes Provisionserträge erwirtschaften.
Somit ist die Reaktion der Marktteilnehmer entscheidend. Nehmen sie die Rolle als Provider für Produkte einer Google+ Bank ein oder spezialisieren sie sich außerhalb der neuen Google Welt und bieten neue unabhängige Services an, wie z.B. Tax Advisory Services, die ebenfalls von Kunden der Google+ Bank gefragt wären.
Vielleicht klingt das alles nach sehr entfernten Zukunftsszenarien. Doch in der Geschichte hat es schon häufig rasante Entwicklungen gegeben, die niemand vorhersehen konnte oder wollte. Man denke nur an die Geschichte des Personal Computers…

Über den Autor

Lars Böing
Lars Böing
„Lars Böing ist Diplom-Kaufmann/ MBA und Managing Consultant im Financial Services Bereich. Er ist verantwortlich für das Corporate Banking und unterstützt Kreditinstitute bei der strategischen und organisationalen Neuausrichtung, der digitalen Transformation und der Erreichung opertationeller Exzellenz.“

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