Digital Transformation Blog

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Zu Industrie 4.0 durch digitale technische Dokumentation

Industrie 4.0, also die digitale Vernetzung der industriellen Wertschöpfungskette über physische Grenzen hinweg, ist in aller Munde. Die Meisten verbinden damit kommunizierende Maschinen, eine automatische Produktion, das Internet der Dinge. Weniger im Fokus liegt zumeist die Digitalisierung der technischen Dokumentation, die viele der zukünftigen industriellen Trends, wie beispielsweise Augmented Reality in der Entwicklung, Dezentralisierung und autonome Produktionssteuerung, maschinelle Intelligenz und Robotik, erst möglich macht.

Als technische Dokumentation werden hierbei alle Publikationen verstanden, die ein technisches Produkt über den gesamten Lebenszyklus beschreiben: Stücklisten, Sicherheitsanweisungen für Errichtung, Nutzung und Recycling, CAD-Zeichnungen, und so weiter. Manko der oft noch papierbasierten (oder zumindest dokumentenbasierten) Dokumentation ist die fehlende Integration der Publikationen untereinander, die bedarfsgerechte Darstellbarkeit, bspw. unterschiedliche Versionen der Sicherheitshinweise für Errichtung und Recycling einer Anlage oder verschiedene Sprachen, sowie die fehlende Portabilität auf mobile Endgeräte. Zudem müssen Aktualisierungen sehr aufwändig ausgerollt und Textsuchen manuell durchgeführt werden.

Durch die Digitalisierung der technischen Dokumentation können unternehmensübergreifende Nutzenpotentiale gehoben und neue digitale Anwendungsfälle erschlossen werden. Entscheidend dabei ist nicht nur die bloße Portierung von Papierdokumenten ins PDF- oder DOC-Format, sondern die Trennung von Inhalt, Struktur und Layout technischer Dokumente, ähnlich Websites im HTML-Format, und eine Vereinheitlichung des Erstellungsprozesses technischer Dokumente mit klaren Verantwortlichkeiten über alle Abteilungen hinweg. Dies ermöglicht dem technischen Publizisten ein layout-unabhängiges Editieren und bei der Ausgabe in unterschiedliche Formate ein einheitliches, leicht anpassbares Design. Die Inhalte, in einem einzigen Content Management System strukturiert abgelegt, bilden eine „Single Source of Truth“, auf die alle Beteiligten individualisiert Zugriff haben, zum Bespiel via Portal. Wenn zusätzlich definierte digitale Schnittstellen zu Zulieferern und Kunden für den Austausch technischer Publikationen vorliegen, ist die technische Dokumentation bereit für neue, digitale Anwendungsfälle.

Ein populäres Beispiel hierfür sind die Wartungstechniker, die beim Erklimmen der Windräder keine Aktenordner voller Dokumente mehr mitschleppen müssen, sondern bequem per iPad die notwendigen Dokumente anzeigen lassen. Ein Use Case, den auch Apple selbst bewirbt. Andere Anwendungsfälle gehen noch weiter und zeigen die für den Ingenieur notwendigen Bearbeitungsschritte bei der Fahrzeuginstandhaltung per Augmented Reality im iPad oder der Google Glass Brille als Überlagerung mit dem realen Bild des Fahrzeugs an. Anschauliches Videomaterial findet sich hierzu beispielsweise beim Anbieter von Augmented Reality Software Metaio. Im idealen Use Case kommuniziert das vom Störfall betroffene Maschinenmodul den Ersatzteilbedarf mittels RFID, begleitet den Techniker mit audio-visuellen Hinweisen auf seinem mobilen Endgerät durch die Reparatur, triggert den notwendigen Teilekauf und dokumentiert den Wartungsvorgang automatisch.

Die betriebswirtschaftlichen Vorteile der digitalen technischen Dokumentation sind leicht nachvollziehbar: Operative Prozesseffizienz bei der Bereitstellung technischer Dokumente durch geringere Doppelarbeit, immense Gewichtsreduktion, einfachere Änderungen und schnellere Auffindbarkeit der richtigen Informationen zur richtigen Zeit in der richtigen Granularität am richtigen Ort. Darüber hinaus kann digitale technische Dokumentation neue Umsatzmöglichkeiten durch innovative digitale Serviceprodukte eröffnen, indem dem Kunden nicht nur eine Europalette voller Papier (oder die CD-Version davon) hingestellt, sondern eine vollkommen integrierte digitale Informationsumgebung des erworbenen Produktes präsentiert wird. Die höhere Qualität der technischen Dokumentation minimiert außerdem die Fehler bei Aufbau, Nutzung und Abbau des technischen Produktes und trägt dadurch zur höheren Kundenzufriedenheit bei. So wird funktionierende, digitale technische Dokumentation zum Wettbewerbsvorteil.

So eingängig die Vorteile der digitalen technischen Dokumentation sind, so komplex ist die tatsächliche  Digital Transformation. Eine hohe Variantenanzahl vielteiliger Produkte, hohe Sicherheitsanforderungen sowie Sprachen- und Standortvielzahl stellen zusätzliche Herausforderungen für die Transformation dar. Bei Capgemini Consulting konnten wir mit unserer Expertise in Projekt- und Veränderungsmanagement, bei der Implementierung von Content Management Systemen, Portalen und Schnittstellen sowie der Migration der bestehenden Dokumente in das neue, digitale Format mit Unterstützung unserer Offshore-Ressourcen bereits mehreren Kunden den Weg zur digitalen technischen Dokumentation ebnen. Die Vision von Industrie 4.0 – mit digitaler technischer Dokumentation wird sie real.

Weiterführende Infos zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Innovationsmanagement finden Sie in unserer Studie Facing Innovation Challenges: Wie digitale Technologien die Innovationskraft steigern können.

Über den Autor

Daniel Kirch
Daniel Kirch
Daniel Kirch ist Wirtschaftsingenieur und Consultant für Innovation & Lifecycle Management. In seinen Beratungsprojekten unterstützt er internationale Kunden bei der Digital Transformation der Supply Chain, Lean Product Development und Geschäftsmodellinnovationen.

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