Digital Transformation Blog

Digital Transformation Blog

Opinions expressed on this blog reflect the writer’s views and not the position of the Capgemini Group

Replikator: einmal Spaghetti Bolognese bitte

Kategorie: Digital Operations

Wie 3D-Druck die Supply Chain verändern könnte
Vielleicht kennen Sie die Serie „Raumschiff Enterprise“, die seit den späten 60ern bis heute Generationen von Fans begeistert. Anstatt zu kochen wurde auf der Enterprise der Replikator bemüht, der in Sekundenschnelle Gerichte und Getränke herstellen konnte. Vielleicht wird diese Fiktion schon bald Wirklichkeit?

Nokia bietet seit neustem austauschbare Gehäuseschalen für sein Mobiltelefon Lumia 820. Das ist eigentlich nichts Besonderes, werden Sie jetzt denken. Ist es aber schon, denn Nokia produziert die Gehäuseschalen nicht selbst, sondern stellt nur Daten zur Verfügung, damit man sich das Gehäuse im 3D-Druckverfahren selbst drucken kann.

Was ist 3D-Druck und was hat das mit Digital Transformation zu tun?

Es gibt verschiedene Verfahren für den 3D-Druck. Das am weitesten verbreitete ist ein sogenanntes additives Verfahren, bei dem unzählige dünne Schichten eines Grundstoffes übereinander aufgebracht werden, um schließlich ein dreidimensionales Objekt zu erhalten. Nokia ist sicher ein Extrembeispiel, zeigt aber das revolutionäre Potential dieses Ansatzes. Nokia als Anbieter stellt das Endprodukt nicht mehr selbst her, sondern bietet nur noch die notwendigen Spezifikation, Designs und Dateien an. Damit wird die eigentliche Produktion des Produktes entlang der Wertschöpfungskette auf den Konsumenten verlagert. In einem früheren Artikel hatte ich mich schon einmal mit der Digitalisierung der Supply Chain auseinandergesetzt. Durch 3D-Druck wird die Kette noch einmal ein ganzes Stück digitaler!

Aber selbst wenn die Produktion nicht beim Endkunden erfolgt, beschleunigt 3D-Druck durch die digitalen Design- und Produktionsspezifikationen Entwicklungsprozesse und Rapid Prototyping deutlich. Dadurch lässt sich auch die Time-to-Market reduzieren und gleichzeitig individuelle Produkte anbieten.

Die Einsatzmöglichkeiten sind nur durch die Materialeigenschaften des Grundstoffes beschränkt und reichen von der Produktion von Flugzeugen – Airbus forscht in diese Richtung – über Musikinstrumente bis Mode. Auch die NASA beschäftigt sich intensiv mit diesem Ansatz und hofft so, Produktionskosten und -zeit signifikant zu reduzieren. Der erste Einsatz von gedruckten Teilen in Testflugzeugen ist für 2017 geplant.

Auch in der Medizintechnik finden sich schon innovative Anwendungen in der Praxis. So benutzt die Firma CA-Digital zum Beispiel den 3D-Druck zur Erstellung von individuellen Kiefer- und Zahnmodellen und zur anschließenden Planung der Behandlung von Zahnfehlstellungen. Dadurch kann zum einen die Beratungsqualität durch den Arzt gesteigert und gleichzeitig die Behandlung selbst optimiert werden. Forscher an der Washington State University haben sogar ein Verfahren entwickelt, mit dem sich knochenähnliches Material drucken lässt.

Am 3D-Druck von Muskelgewebe wird übrigens auch schon gearbeitet. Da es sich dabei um lebende Zellen handelt, ist das Verfahren allerdings noch sehr teuer. Die Herstellung von Fleisch für einen Hamburger würde derzeit rund 230 000 Euro kosten, deshalb wird die Methode in erster Linie für medizinische Anwendungen eingesetzt. Aber wer weiß, vielleicht müssen wir nicht mehr bis zum 22. Jahrhundert warten, bis der Replikator Wirklichkeit wird.

Über den Autor

Thomas Zeimentz
Thomas Zeimentz
Thomas Zeimentz erarbeitet als Experte für Digital Transformation zusammen mit seinen Kunden Wege, die neuen digitalen Möglichkeiten für Unternehmen erfolgreich umzusetzen. Er arbeitet bei Capgemini Consulting im Bereich Technology Transformation und beschäftigt sich hier vor allem mit den prozessualen und organisatorischen Herausfordungen der digitalen Transformation und ihrer Umsetzung.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * gekennzeichnet.