Digital Transformation Blog

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Ist die IT-Abteilung noch zu retten?

Kategorie: Digital Operations

Digitale Trends wie Big Data, Mobility, Cloud Computing und Consumerization haben sowohl direkt als auch indirekt über Kunden, Mitarbeiter und den Wettbewerb großen Einfluss auf die Unternehmens-IT. Die Abhängigkeit von Technologie steigt unaufhaltsam, das spüren auch Unternehmensbereiche wie zum Beispiel Marketing, Vertrieb und Logistik. Sie erkennen zunehmend die Notwendigkeit und den Nutzen von digitalen Tools im Kundenkontakt, im Zusammenhang mit internen und externen Prozessen und bei der Analyse von Daten. Die veränderte Wahrnehmung spiegelt sich auch in den Ausgaben für IT wider. In Summe steigen diese zwar, allerdings ist der CIO nicht mehr der Einzige, der Geld für Technologie ausgibt, sondern in zunehmendem Maße auch die Fachabteilung.

Meiner Meinung nach ist das absolut wünschenswert, weil dadurch die Skepsis gegenüber der IT sinkt und sie dort verankert wird, wo sie hingehört – ins Business. Gleichzeitig steigt die IT-Affinität der Fachabteilungen und Technologie wird endlich zum allseits geschätzten Selbstläufer. Das Business „zieht“ die IT zu sich heran und es ist nicht länger alleine der IT-Abteilung überlassen, den Fachabteilungen den Nutzen von Technologie schmackhaft zu machen. Viele IT-Organisationen blockieren diese Entwicklung jedoch, obwohl sie jahrelang auf eine stärkere Vernetzung mit dem Business hingearbeitet haben. Die Gründe dafür sind Angst vor dem Verlust des eigenen Stellenwerts und der Entscheidungskompetenz fürs Budget.

In dieser Situation sind IT-Organisationen zum Wohl ihrer selbst und des Unternehmens gezwungen, eine neue – weitaus wichtigere – Rolle einzunehmen. Der Fokus verschiebt sich. Während Implementierung, Betrieb und Verwaltung durch digitale Trends zunehmend extern geleistet werden, gewinnen die Themen Integration, Governance und Koordination an Bedeutung. Ich sehe die größten Veränderungen in den folgenden vier Bereichen:

1.) Service Portfolio Governance: Wer verantwortet die Koordination der IT-Services, die übergreifend eingesetzt und am Markt angeboten werden?

2.) Information & Data Governance: Wer erfasst, durch welche Prozesse welche Daten generiert werden und welche Informationen wann zur Verfügung stehen müssen? Angesichts der steigenden Anzahl von Schnittstellen zu externen Dienstleistern wird das eine immer wichtigere Aufgabe. Wie werden funktionsübergreifende Anforderungen abgebildet? Wie werden Daten personalisiert, zielgruppengerecht aufbereitet und zur Verfügung gestellt?

3.) Sourcing & Vendor Management: Wer garantiert faire Vertrags- und SLA-Verhandlungen und eine effektive Dienstleistersteuerung im zunehmend komplexer werdenden Multi-Provider-Umfeld?

4.) Architektur: Wo laufen die Fäden zusammen? Wer stellt sicher, dass IT-Services und -Anbieter bezüglich Compliance, Sicherheit, Flexibilität, Skalierbarkeit et cetera unternehmenskonform sind? Wie können Wildwuchs und das Entstehen von Schatten-ITs verhindert werden?

Natürlich ist nicht jedes Unternehmen gleichermaßen betroffen. Und nicht jede IT-Einheit sollte eine extreme Ausprägung in den vier Bereichen anstreben und Kernfunktionen wie beispielsweise den Betrieb vernachlässigen. Sinnvoll ist, anhand verschiedener Digitalisierungstreiber die Auswirkungen auf das eigene Geschäftsmodell herauszuarbeiten und die erforderlichen und gewünschten Veränderungen zu konkretisieren. Danach kann der Reifegrad des Unternehmens für den Wandel bestimmt werden, um schließlich die erforderlichen Maßnahmen abzuleiten und zu initiieren.
 

Über den Autor

Steffen Gerber
Steffen Gerber
Steffen Gerber erarbeitet als Experte für Digital Transformation zusammen mit seinen Kunden Wege, die Möglichkeiten der Digitalisierung erfolgreich im Unternehmen zu nutzen. Er arbeitet bei Capgemini Consulting im Bereich CIO Advisory Services und beschäftigt sich vor allem mit den prozessualen und organisatorischen Herausfordungen der digitalen Transformation und ihrer Umsetzung.

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