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GoalControl verhindert „Wembley 2.0“ – Digital Transformation im Fußball

Kategorie: Digital Operations

Fußball, eine der ältesten Mannschaftssportarten der Welt, zieht jedes Jahr Millionen von Zuschauern in die Stadien rund um den Globus. Ein noch weitaus höherer Anteil der Erdbevölkerung verfolgt die Spiele zudem im Fernsehen, Radio oder mittlerweile verstärkt per Live-Stream im Internet.  Daraus ist insbesondere in den vergangenen beiden Jahrzehnten ein riesiges Business entstanden, von dem nicht nur Spieler und Vereine profitieren. Die kommerziellen Interessen von Wirtschaftsunternehmen, Verbänden, Fernsehanstalten und anderen Organisationen haben stark zugenommen. Fußball ist zu einem sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden und die Möglichkeiten der Digitalisierung haben ihren Anteil zur Information, Analyse und vor allem Vermarktung beigetragen. Beispiele sind die Fülle von Berichterstattungen über unterschiedlichste Kanäle, Datenanalysen, Merchandising-Plattformen und vieles mehr.

Allerdings, und das ist auf der einen Seite  sympathisch-romantisch, auf der anderen aber auch nur schwer nachvollziehbar, wurde trotz aller sich bietenden Möglichkeiten der Einfluss auf das eigentliche Spiel bislang sehr gering gehalten. Nach jahrelangen Diskussionen scheint dieser Bann nun gebrochen. Seit 2012 macht eine Regeländerung den Einsatz von Technik während des Spiels möglich und bereitet den Weg für den zukünftigen Einsatz der „Torlinientechnologie (TLT)“.  

Deutsche Torlinientechnik bekommt FIFA-Zuschlag
Die FIFA hat der deutschen Firma GoalControl überraschend den Zuschlag für den Einsatz der neuen Torlinientechnologie beim Confederations Cup 2013 erteilt. Der Fußball-Weltverband vergab den Auftrag für das Turnier in Brasilien an das Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Würselen. GoalControl ist spezialisiert auf „real-time image analysis“, also der Bildanalyse in Echtzeit bei Sportveranstaltungen. Das System beruht auf einer dreidimensionalen Kontrolle des Balls durch 14 Kameras, die auf beide Tore gerichtet sind. Überquert der Ball die Torlinie, geht in weniger als einer Sekunde ein verschlüsseltes Signal an die Empfängeruhr des Schiedsrichters.
Sollte das System von GoalControl in diesem Sommer beim Probelauf den Anforderungen entsprechen, dann soll es auch bei der WM im kommenden Jahr zum Einsatz kommen.

Nun gibt es ja den Videobeweis dank unzähliger Monitore, Fernsehkameras und Smartphones ja im Prinzip schon längst in den Stadien. Dennoch bedeutet die Entscheidung der FIFA zur probeweisen Einführung der Torlinientechnik eine Zäsur, denn zum ersten Mal werden wesentliche technische Elemente eingesetzt, die direkt Einfluss auf das Spielgeschehen haben (können). Die berühmte „Tatsachenentscheidung“ des Schiedsrichters hat damit zumindest bei der Entscheidung über „Tor“ oder „kein Tor“ teilweise ausgedient.

Auch unter Business-Gesichtspunkten ist diese Meldung in vielerlei Hinsicht spannend. Zum einen hat ein Anbieter im Ausschreibungsverfahren den Zuschlag erhalten, dem vorher eher die Außenseiterrolle zugeschrieben wurde. GoalControl hat die FIFA wohl vor allem durch sein relativ simples System überzeugen können, bei dem weder Tore noch Bälle verändert werden müssen. Die Kosten dürften ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt haben. Zum anderen zeigt sich auch hier die Notwendigkeit für Unternehmen, sich hinsichtlich Supply Chain, Product-Bundling etc. optimal aufzustellen. Denn der Zuschlag wurde nur dadurch möglich, dass das System mit den Schiedsrichter-Uhren von GoalRef kompatibel war bzw. ist.   

Und last but not least ist die Vergabe ein weiterer Beleg dafür, dass man immer wieder mit neuen Playern bzw. Konkurrenten rechnen muss, die vorher nicht auf Augenhöhe zu sein schienen. Denn GoalControl erhielt die notwendige Lizenz zur Teilnahme am Ausschreibungsverfahren erst am 1. März 2013. Zu diesem Zeitpunkt stellte sich eigentlich nur die Frage, welcher der ursprünglichen Anbieter (Hawk-Eye, GoalRef, Cairos) den Zuschlag für den Confederations Cup erhalten würde.
Mit Spannung schauen die Fußballfans im Sommer nach Brasilien: Wie wird der Technologie-Einsatz das Spiel verändern? Werden jahrzehntelang andauernde und liebgewonnene Diskussionen wie die um das Wembley-Tor nur noch Geschichte sein? Was halten Sie von dieser modernen Fußballwelt?

Weiterführende Links:
Priyo News: http://news.priyo.com/2013/04/03/fifa-picks-goal-control-goal-line-tech-system-71194.html
Tagesschau.de: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/goalcontrol100.html

Über den Autor

Andreas Brodesser
Andreas Brodesser
Andreas Brodesser arbeitet als Experte für Sales & Marketing Operations an der Markt- und Markenpositionierung von Capgemini Consulting. Da digitale Kanäle eine wichtige Plattform zur Kundenansprache bieten, sind sie essenzieller Bestandteil seiner Arbeit bei Capgemini Consulting.

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